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„Europa darf nicht zwischen Norden und Süden unterscheiden“

Mai 23, 2014 - Author: barbarakasper - Keine Kommentare
Studienassistentin Ruth de Frutas und Politik- und Kommunikationswissenschafter Bernardo Díaz Nosty, von der Univerität Málaga, Spanien

Studienassistentin Ruth de Frutas und Politik- und Kommunikationswissenschafter Bernardo Díaz Nosty, von der Universität Málaga, Spanien

In der EU gibt es zu wenig Solidarität, es fehlen europäische Medien und Leitfiguren und die Jugendlichen sind enttäuscht, sagen Bernardo Díaz Nosty, Politik- und Kommunikationswissenschafter an der Universität Málaga, Spanien, und die Studienassistentin Ruth de Frutas.

 

Was markiert die EU-Wahl 2014 aus Ihrer Sicht?

Bernardo: Der Unterschied dieser Wahl zur letzten EU-Wahl ist der, dass sich die Einstellung der Spanier zur Europäischen Union gewaltig geändert hat. Bis zur letzten EU-Wahl 2009 war Europa beliebt und die Bevölkerung vertrat den Europagedanken. Sie dachten, Europa sei exzellent und das beste für Spanien. Seither hat sich viel geändert: Den ökonomischen Umbruch und die Sparpolitik verstehen die Leute als Diktat der EU. Und durch die restriktive Staatspolitik haben sie viele Rechte verloren, die über lange Zeit erkämpft werden mussten. Zum Beispiel im Sozialbereich oder bei den Arbeitsbedingungen. Aber noch mehr herrscht eine Abneigung, es fehlt das Interesse.

Auch bei jungen Menschen?

B: Viele Jugendliche verbinden Europa mit Erasmus, Austauschprogrammen, Freundschaften – mit praktischen Dingen. Die Jugend von heute ist kosmopolitischer, moderner, kann mehr Sprachen und hat weniger Probleme in der Kommunikation – das ist gut. Sie interessieren sich für Europa, aber eher am Rande des politischen Geschehens. An die Politik der EU glauben sie wenig. Dieses Europa von jetzt interessiert sie nicht.

Warum interessiert Jugendliche dieses Europa nicht?

B: Weil es die Probleme nicht löst. Wenn es um das tägliche Leben geht, hält sich die EU gerne raus – bei Jugendarbeitslosigkeit, Ausbildung, Immigration. Dazu kommt, dass manche Länder, wie Deutschland, mehr zählen als andere.

Wie wird die EU-Wahl in Spanien ausgehen?

B: Was am Wahltag passieren wird, ist schwierig zu sagen. Ich denke, es wird noch weniger Wahlbeteiligung geben und die kleinen Parteien werden an Stärke gewinnen. Das Ergebnis wird wie ein Fächer aufgehen. Die großen Parteien, die schon im EU Parlament sind, wie die PSOE (sozialistisch) und die PP (rechtskonservativ) wollen sehen und werden darum ringen, wer der Stärkere ist. Es geht ihnen dabei nicht um die EU-Wahl sondern um die öffentliche Meinung hier in Spanien. Bizarr.

Ruth: Das merkt man auch im Wahlkampf. Es geht nur um lokale Themen. Wenn man bedenkt, dass es sich um EU-Wahlen handelt, würde man denken es werden auch EU-Themen behandelt. Aber nein, es wirkt wie eine nationale Wahl. Es geht um Themen, die die Bürger betreffen aber ohne Verbindung zu Europa. Ein anderer Grund warum sich die Jugendlichen nicht dafür interessieren.

Wie erleben Sie die EU?

B: In den letzten vier, fünf Jahren der Krise, erlebt man hier ein sehr unsolidarisches Europa. Ein Europa, das schwächere Staaten ausbremst. Ein Europa, das einen Unterschied zwischen Norden und Süden macht, in dem viele Mythen bestehen, als würden die Menschen im Süden nicht arbeiten, oder als wären wir die Verbrecher. Und das tut den Menschen, den Spaniern und Spanierinnen sehr weh. Entweder sind wir ein vereintes Europa oder nicht. Die EU muss beginnen zu verstehen, dass es für Probleme unterschiedliche Lösungen gibt.

R: Das desillusioniert auch viele Jugendliche, die Europa als Raum der Toleranz erleben, wo sie Erasmus und gemeinsame Erfahrungen machen. Aber wenn es dann um ökonomische Probleme geht, ist es auf einmal nicht so. Was für klare Differenzen. Entweder gibt es dieses Projekt um eine Europäische Bürgerschaft zu schaffen und zu vereinen, oder das Projekt funktioniert nicht, wenn ein Problem auftaucht.

Spielt die Berichterstattung eine Rolle am Image der EU?

B: Sehen wir uns die Korrespondenten in Brüssel an. Generell beziehen sie Informationen von den spanischen bzw. den jeweils eigenen Parlamentariern. Sie berichten über die eigenen Abgeordneten und über deren Arbeit. Informationen beziehen sich auf lokale Themen und so berichtet Spanien über Spanien, und Österreich über Österreich. Wir haben unzählige Medien in ganz Europa, aber keine europäischen Medien. Die lokalen bzw. nationalen Medien suchen dann die Themen, die mit lokalen Themen korrelieren.

R: Ein gutes Beispiel dafür ist das Thema Immigration. Das Problem ist fundamental. Die Schuld liegt aber bei der EU, weil sie keine Verantwortung übernimmt, sondern diese auf die Nationalstaaten, auf die südlichen Länder mit EU-Außengrenzen abschiebt.

B: Das ist unverständlich. Die Grenze zu Marokko ist eine Grenze Europas und nicht nur Spaniens. Europa betreibt hier keine klare Politik für dieses schwerwiegende Problem der Immigration von Zentralafrika und südlich der Sahara nach Spanien. Wir haben das gleich Problem wie Italien mit Lampedusa. Hier mischt sich die EU nicht ein. Die Menschen kommen nach Europa, dann sollten sie auch auf Europa aufgeteilt werden.

R: Es ist ein Problem des Kontinents nicht nur von Spanien.

B: Eine schwierige Thematik. Da müsste sich vor allem einmal die Mentalität in Europa ändern. Und diese Mentalität ist zurzeit sehr konservativ. Die Europäer müssen toleranter sein, wenn Menschen aus der eignen Heimat flüchten müssen und in „ihrem“ Land Asyl suchen.

Glauben Sie, dass sich mit einem anderen Kräfteverhältnis im EU Parlament etwas ändern würde?

B: Man sollte annehmen ja. Aber das größere Problem ist das System, das sich nicht um die Menschen kümmert und das nicht solidarisch ist. Es gibt Parteien in der EU die nicht einmal an Europa glauben oder eines wollen. Es ist zu wenig transparent. Die Politiker reden nicht mit der Bevölkerung. Wir glauben an Europa, aber nicht an das, das sie gerade gestalten. Wir brauchen einen Kurswechsel.

Was halten Sie von den europäischen Spitzenkandidaten?

B: Die Europäischen Kandidaten sind eine gute Idee! Wenn wir Europa konstruieren wollen dann brauchen wir auch europäische Politiker und Politikerinnen. Wenn wir die lokalen und nationalen Grenzen überschreiten wollen, dann sind europäische Politiker unerlässlich. Die Europäer die wir kennen, wie Barosso, sind nicht attraktiv und wenig interessant. Wir brauchen Frontmänner und Frontfrauen mit Charisma, die Sprachen sprechen, die Mediatoren sind, die eine Vision haben und die eignen lokalen Ansprüche überwinden können. Wenn du Deutscher bist, dann lass es sein Deutscher zu sein – um Europäer zu sein. Wenn du Spanier bist, lass es sein Spanier zu sein. All das haben wir noch nicht, aber wir wünschen es uns.

Ein Projekt der Europapartnerschaft. www.zukunfteuropa.at

Ein Projekt der Europapartnerschaft.
www.zukunfteuropa.at

(Barbara Kasper, hallo!)

 

Dieser Beitrag ist entstanden im Rahmen von eurotours 2014, einem Projekt der Europapartnerschaft.

Categories: Artikel, Europäisch Union, GPA-djp Jugend, Interessenvertretung, Internationales

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